Die Geschichte der Kopten

Die Kopten gehören zu den ältesten Christen der Welt. Der Ursprung des Christentums in Ägypten führt auf den Evangelisten Markus zurück. Er brachte den Glauben nach Alexandria. Alexandria war damals das Zentrum der Wissenschaft und der Philosophie. Nicht nur Ägypter lebten in Alexandria, sondern auch Griechen, Römer, Äthiopier und Nubier, jeder mit seiner eigenen Kultur und Religion.

Der Heilige Markus stand alleine vor all diesen Religionen und Philosophen. Wann Markus genau nach Ägypten kam, sind sich die Historiker nicht einig. Sicher ist, dass er nicht vor 50 n.Chr. nach Alexandria reiste. Die Kirchenerzählungen besagen, dass als der Heilige Markus in Alexandria ankam, seine Schuhe vom langen Laufen zerrissen waren. Um seine Schuhe zu flicken, wandte er sich an einen Schuster namens Anianus in der Stadt. Während Anianus den Schuh richtete, verletzte er sich mit der Nadel. Er schrie: “O Gott, der Eine.“ Als der Heilige Markus das hörte, war er überrascht und sah es als Gelegenheit, ihm über diesen Einen Gott zu erzählen. Er heilte seinen Finger und fing an den Herrn zu verkünden. Anianus und seine Familie nahmen den Glauben an und Markus taufte sie.

Der Heilige Markus konnte viele Ägypter zum Christentum bekehren. Er hatte einen grossen Einfluss auf die Ägypter und er zerstörte, wie ein Hammer (die Bedeutung seines Namens), den Glauben an das Götzentum. Er wurde der erste Bischof des alexandrinischen Stuhls und weihte einen Bischof, drei Priester und sieben Diakone. Er gründete in Alexandria die erste theologische Schule der Welt, eine Katecheten Schule, die in der Lage war die Gedanken der heidnischen Schule zu bekämpfen. Des Weiteren legte die göttliche Liturgie fest. 

Da sich der Glaube sehr schnell verbreitete, machten sich die heidnischen Herrscher Sorgen. Um die Missionierung aufzuhalten, beschlossen sie den Heiligen Markus zu töten. Im Jahre 68 n. Chr. wurde er festgenommen und gefoltert. Während der Folterung erlitt er den Märtyrertod. Die Gläubigen nahmen seinen Leib und begruben ihn in einer Kirche in Alexandria. Die Kirche wurde später nach dem Hl. Markus umbenannt. Heute feiert die koptische Kirche seinen Märtyrertod am 25 April.

Nach dem Tod des Evangelisten Markus unter der Herrschaft der Römer, fing die Verfolgung der Christen in Ägypten an. Die römischen Kaiser sahen die Verbreitung des Christentums als eine Bedrohung ihrer Macht. Um die Verbreitung zu hindern, brachten sie viele Christen um. Unter dem Kaiser Diokletian (284-305) wurden besonders viele Christen verfolgt, gefoltert und auf eine schreckliche Art umgebracht. Mehr als eine Million Christen starben während seiner Amtszeit als Märtyrer. Erst unter dem Kaiser Konstantin hörte die Verfolgung auf. Der Kaiser Konstantin bekehrte sich zum Christentum und erklärte um 311 n.Chr. das Christentum zur Hauptreligion des Reichs. Somit wuchs die christliche Bevölkerung wieder.

Zu dieser Zeit gehörte Ägypten zu den Grosskirchen und hatte neben Jerusalem, Antiochien, Konstantinopel und Rom einen eigenen Patriarchen des Alexandrinischen Stuhles.

Im Jahre 451 n. Chr. fand das fünfte Konzil von Chalcedon statt, indem die koptische Kirche sich von der Grosskirche abspaltete und ihren eigenen Weg ging. Grund dieser Spaltung war die Diskussion um die "gott-menschliche Natur" Jesus Christus. So glaubte die altorientalische (Armenier, Äthiopier, Syrier und Kopten) Kirche an die Einheit der Dreifaltigkeit ohne Vermischung oder Verquickung, während die Reichskirchen (andere orthodoxe Kirchen und katholische Kirchen) an einen Sohn (Jesus Christus) mit menschlicher Natur und einem Vater (Gott) mit göttlicher Natur glaubten. Erst im Jahr 1984 einigten sich Papst Johannes Paul II. und der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Zakka II. auf die miaphystische Theorie (Einheit der Dreifaltigkeit).

Nach der Spaltung versuchte der byzantinische Kaiser die Kirche wieder zu vereinen, auch mit blutigen Kämpfe. Im Jahre 641/642 n. Chr. eroberten die Araber Ägypten und begannen mit der Islamisierung von Ägypten. So wurden die Kopten gezwungen zum Islam zu konvertieren, wollte man im christlichen Glauben weiterleben, musste man entweder sehr hohe Steuern bezahlen oder sterben. Bis heute werden die Kopten in Ägypten als Minderheit betrachtet, unterdrückt und als Bürger zweiter Klasse behandelt.

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Die Kopten

Wer sind die Kopten?

Die koptische Kirche gehört zu den orientalischen Christlich-Orthodoxen Kirchen. Die Gründung geht zurück zum Heiligen Evangelist Markus, der als erster Papst der Koptisch-Orthodoxen Kirche gilt. Die koptische Kirche gehört zu den ältesten und traditionellsten Christlichen Kirche. Die koptische Kirche gründete das Mönchtum und setzte viele kirchliche Gesetze und Konzepte, die bis Heute im Christentum gelten.

Das Wort "Kopten" ist eine Verkürzung des griechischen Wortes "Aigyptios", mit dem man die Bevölkerung Ägyptens im Altertum bezeichnete. Die Kopten sind die direkten Nachfahren der Pharaonen. Ursprünglich stammte das griechische Wort "Aigyptios" aus dem alt-ägyptischen Namen der Stadt Memphis. Diese war damals die Hauptstadt von Ober- und Unterägypten und hiess "Hut-Ka-Ptah", was übersetzt "Haus des Gottes Ptah" (der Schöpfergott) bedeutet. Aus "Aiyptios" wurde "Gypt" abgeleitet und die Araber formten es zu "Kipt". Der Name galt für das gesamte Volk Ägyptens, als jedoch die Araber (641/642 n.Ch.) Ägypten eroberten und ein grosser Teil der Bevölkerung zum Islam konvertierte, wurden nur die christlichen Ägypter als Kopten bezeichnet, was bis heute gilt.

Heute bilden die Kopten in Ägypten die grösste christliche Gemeinschaft im Nahen Osten und machen etwa 20 % der Ägyptischen Bevölkerung aus.

Die Kopten Heute

Es gibt keine offiziellen Angaben über die Mitgliederzahl der Koptisch Orthodoxen Kirche in Ägypten. Die Schätzungen variieren zwischen 15 und 20 Millionen. 

Seit 18.November 2012 führt seine Heiligkeit Papst und Patriarchen Tawadros II. die koptische Kirche. Er gilt als der 118. Nachfolger des hl. Markus. Der zunehmende Einfluss der islamistischen Kräfte im Staat und in der Gesellschaft, die Übergriffe der islamischen Extremisten auf Christen sowie die Verschlechterung der Lebensverhältnisse im Allgemeinen führten zur grössten Auswanderungswelle der Kopten aus Ägypten, die nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 begann und bis heute andauert. So entstanden in Kanada, USA und Australien grosse koptische Gemeinden. Auch in den westeuropäischen Ländern, insbesondere in Deutschland, Frankreich, Italien, Holland, Österreich und der Schweiz, entstanden koptische Gemeinden. Schon seit ca. 285 n. Chr. waren die Kopten in Europa und in der Schweiz. Mehr dazu finden Sie unter folgendem Link.

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Seine Heilligkeit Papst Tawadros II.

Die koptische Kirche ist heute mehr als neuzehn Jahrhunderte alt. Doch schon im Alten Testament findet man Prophezeiungen, die auf sie hinweisen. So steht im Buch des Propheten Jesaja (19,19) :

 

"Alsdann wird mitten im Ägypterland ein Altar für den Herrn stehen."

 

Der Aufenthalt der Heiligen Familie in Ägypten bedeutet der Kopten sehr viel: Ägypten war das einzige Land ausserhalb des heutigen Gebietes von Palästina und Israel, in dem der Herr sich aufhielt. An den Stätten, die der Heiligen Familie als Aufenthalt dienten, wurden Kirchen gebaut, die Menschen aus aller Welt noch heute besuchen.